Schülerpatenschaften

Der Übergang vom „Schonraum“ Grundschule und Neueintritt in die Oberschule, „wo die Großen sind“, kann Ängste auslösen. Ziel des Patenschaftsprojekts ist daher, Entwicklungen und Einstellungen, die Ängste auslösen und ein Konfliktpotential in sich bergen, vorzubeugen und entgegenzuwirken. Von der Idee eines „Patensystems", bei dem die älteren Schüler den Jüngeren helfen, sich im System Schule zurechtzufinden, profitieren sowohl die jüngeren als auch die älteren Schüler. Durch Patenschaften wird jahrgangstufenübergreifendes soziales Lernen gemeinsam gestaltet und erlebt, das führt zu einer positiven Beeinflussung des Schulklimas. Paten sind Integrationshelfer auf verschiedenen Ebenen.

Exkurs: Wissenschaftstheoretische Aspekte zur Patenschaft

Der Patenschaftsgedanke beruht auf den im Folgenden kurz beschriebenen wissenschaftstheoretischen Aspekten der Sozialisation und des Lernens von Verhaltensweisen.

Sozialisation bezeichnet den Prozess der Aneignung von und Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen (damit auch schulisch determinierten) Werten, Normen und Handlungsmuster, in dessen Verlauf eine Person die soziale Handlungsfähigkeit erwirbt und/oder aufrechterhält. Diesem Aneignungsprozess liegen verschiedene Lernprozesse zugrunde.

Zwei dieser Lernformen sind das sog. „Imitationslernen“ und das „Modelllernen“. Beim Imitationslernen werden durch unmittelbare Nachahmung bestimmte Verhaltensweisen oder ganze Verhaltensketten übernommen. Im Gegensatz dazu erfolgt beim Modelllernen (stellvertretendes Lernen) zunächst keine unmittelbare Nachahmung durch eigenes Tun. Der Lernende beobachtet das situative Verhalten seines Modells, er lernt „innerlich“ verdeckt. Das Modell wird sozusagen stellvertretend für den Beobachter tätig, erhält seine Verstärkung (Belohnung) auch stellvertretend für den Lernenden, der gleichsam mit seinem Vorbild mitlebt, um es ihm später gleichzutun, also dieselben Handlungen mit denselben Folgen selbst zu praktizieren. Dieses Lernen wird oft unterschätzt.

Die Schüler_innen der 9. Klasse haben also mit ihrem Engagement und ihrem Verhalten eine Modellfunktion für die Schüler der 7. Klasse. Sie prägen damit das weitere Verhalten der jetzigen Schulanfänger möglicherweise über Jahre hinaus. Aus dieser Erkenntnis abgeleitet ergeben sich bestimmte die Ziele und Nutzen des Patenschaftprojekts:

Praktische Ziele und Nutzen des Patensystems:

für die jüngeren Schüler:

  • den Schulanfängern den Start ins Schulleben zu erleichtern
  • ihre Integration in die Schule mit Hilfe eines Helfersystems zu unterstützen
  • für einen "sanften Einstieg" und ein gutes und lernorientiertes Klima in der Klasse sorgen
  • Unterstützung der schulischen Sozialisation der Schulanfänger

für die Paten-Schüler:

  • vermitteln einer Fülle von Basiskompetenzen, die im normalen Kernunterricht oft nicht genug vermittelt werden können
  • Sensibilisierung für die Probleme und Ängste von Schulanfängern
  • Förderung der Empathiefähigkeit
  • Engagement für ein partnerschaftliches Schulklima auch über das Patenschaftsprojekt hinaus
  • Bewusstmachung der Vorbildfunktion durch Übernahme von Verantwortung
  • Initiative für Andere zu ergreifen
  • ihr freiwilliges Engagement wird gefördert und zudem anerkannt und zertifiziert (durch Vermerk im Zeugnis, Zertifikat, Patenpass
  • Zuverlässigkeit trainiert, das Selbstwertgefühl gesteigert

Umsetzung der Ziele (Vorschläge & Ideen):

Am Anfang des neuen Schuljahres würden die Klassen 9 Patenschaften für die neuen 7. Klassen übernehmen. Sie stehen den Schülern/Schülerinnen der Klasse zwei Schuljahre zur Verfügung. Immer einige Schüler der Klasse 7 sollen ein Patenteam (3-4 Leute) der Klasse 9 erhalten. Die Patenverteilung wird den Schülern überlassen und während der 1. Schulwoche festgelegt. Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 verpflichten sich durch einen Patenvertrag, die Patenschaft gewissenhaft auszuüben. Sie erhalten einen Patenpass, auf denen die ihnen zugeordneten Schüler vermerkt sind. Die Klassenlehrer und die Schulsozialarbeiter der Patenklassen koordinieren die Maßnahmen.

Pausendienst auf dem Hof und im Klassenraum

Zwei oder mehr Paten machen „Hofdienst“ und sprechen ggf. „ihre“ 7.-Klässler in der Pause auf dem Pausenhof an bzw. beaufsichtigen die Jüngeren im Klassenraum bei abgeklingelten Pausen (wöchentlicher Wechsel der Paten).

Sonstiges

1) Orientierung in der Schule- Tag der Einschulung: Präsenz der Patenklassen- Patenfindung bei einem Erlebnisparcours am 2. Schultag- Besonders in der Eingewöhnungsphase stehen die Paten den Schülern/Schülerinnen der Klasse 5 mit Rat und Tat zur Seite und halten während der Erprobungsstufe regelmäßig Kontakt zu den jeweiligen Patenkindern.

2) Vorbereitung und Begleitung bei Klassenfahrten und Wandertagen Patenwanderung Ebberg mit vertrauensfördernden Spielen

3) Hilfe bei Schulproblemen Hausaufgabenhilfe in gemeinsamen Arbeitsstunden- Organisation einer Lesenacht-

4) Schlichten von kleinen Streitigkeiten in der Klasse- Patenkonferenz (bei Bedarf) zur Streitschlichtung- "mein großer Schutzengel" - Ansprechpartner sein

5) Vorbereiten von Klassen- und Schulfesten- Organisation eines Grillnachmittags an der Schule- Nikolausaktion-

6) mögliche Mitarbeit im Unterricht- Unterstützung bei Stationsarbeit- Lesetrainer

   

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